Wir Hatten Es Doch Geschafft



Ausgabe 2517 | 27.06.2017 | 12:00 41 Wir hatten es doch geschafft Essay Ein Haus, drei Kinder auf dem SPD-Gymnasium und ein Lebensabend ohne finanzielle Sorgen? In der alten BRD ging das, auch als FlĂŒchtling und Arbeiter. Das ist lange vorbei Das Eigenheim war einmal: Vielen ist es nicht mehr möglich, sich etwas aufzubauen, das nur ihnen gehört Foto: Hendrik Lietmann/Ostkreuz Mein Vater ist als junger Mann aus der DDR geflohen. Eines Nachts hat er heimlich die Wohnung seiner Eltern verlassen, ist zusammen mit einem Freund nach Ost-Berlin gereist und hat dort die Grenze ĂŒberquert. Mehr als einen Koffer hatte er nicht dabei. An Wertsachen besaß er nichts. Weder seine Eltern noch sein Bruder wussten davon. Er hatte Angst, dass sie ihn von seinen PlĂ€nen abbringen wĂŒrden. Er wollte unbedingt in den Westen. Und das bedeutete fĂŒr ihn damals Amerika. Wenn mein Vater mir als Kind von seiner Flucht erzĂ€hlt hat, stellte ich mir vor, wie es hĂ€tte sein können, wenn ich dort, in dem Land seiner Sehnsucht, aufgewachsen wĂ€re. Ich habe ihn immer bewundert fĂŒr seinen Mut, auch heute noch. Obwohl ich mir inzwischen die schlimmen Sorgen seiner Eltern ausmalen kann, und wie schmerzhaft es fĂŒr seinen jĂŒngeren Bruder gewesen sein muss, allein zurĂŒckgelassen worden zu sein. Mein Vater war nie in Amerika. Er ist nicht im Land seiner Sehnsucht angekommen. In der BRD musste er zunĂ€chst in ein Sammellager und dann fĂŒr einen niedrigen Lohn auf einem Bauernhof arbeiten. In dieser Zeit hat er gelernt, was es heißt, allein auf sich selbst gestellt zu sein. Der Westen war nicht freundlich zu ihm. SpĂ€ter hat er unter Tage gearbeitet, in einem Stollen tief unter der Erde, um Steinkohle zu fördern. Diese Arbeit war noch hĂ€rter, und sie war gefĂ€hrlich. Aber sie brachte auch mehr Geld. Schließlich wollte er etwas aus sich machen. Nach der Volksschule hatte er eine Lehre als Schuster gemacht. Die Aussicht, als Handwerker seinen Lebensunterhalt zu verdienen, war gering. WĂ€re er in seiner Heimat geblieben, hĂ€tte er sein Leben lang das GefĂŒhl gehabt, etwas verpasst zu haben. 1961 wurde die Grenze zwischen beiden deutschen Staaten mit einer Mauer befestigt. In den ...


Die G20-Demoverbote Zielen Auf Abschreckung

... Demonstranten begrĂŒndet worden war. Die Demonstranten nahmen sich ihr Recht auf Versammlung trotzdem, kĂ€mpften sich zivil ungehorsam bis zu den Absperrungen rund um den Gipfel vor und schafften eine ErzĂ€hlung, die die politische LegitimitĂ€t der G8 in Frage stellte. Der Preis war jedoch hoch: brennende Augen durch Pfefferspray, blaue Flecken durch PolizeiknĂŒppel. Die natĂŒrlich lĂ€ngst verheilt waren, als das Oberverwaltungsgericht – erst im August 2012 - in einem ordentlichen Verfahren letztinstanzlich urteilte: Das Demoverbot war nicht rechtens. Wie ĂŒbrigen ...


60er Jahren war es einfach, in der BRD eine Arbeit zu finden. Mein Vater hatte zum ersten Mal das GefĂŒhl, ĂŒber sich verfĂŒgen zu können. Er hatte genug Geld, um sich elegant anziehen und tanzen gehen zu können. Und dann kamen wir. Erst meine Schwester, dann ich und schließlich mein Bruder. Alle drei mehr oder weniger gewollt. Ankunft im Rohbau Meine Mutter hat mir oft Fotos aus der Zeit gezeigt, in der sich die beiden kennengelernt haben. Sie hatte damals als SekretĂ€rin bei einer kirchlichen Zeitung gearbeitet und sich von ihrem Lohn gerade eine Isetta gekauft. Wie gut mein Vater aussah. Als ich fĂŒnf Jahre alt war, sind wir in ein kleines Dorf an den westlichen Rand der Republik gezogen. Meine Mutter stammte von dort. Es gab fĂŒnf Bauernhöfe, eine Kirche, einen Bolzplatz und einen unglaublich alten Kastanienbaum, auf den wir eigentlich nicht klettern durften. Von diesem Dorf aus ist mein Vater ĂŒber 30 Jahre lang jeden Tag in die gleiche Fabrik gependelt. Erst als einfacher Arbeiter, dann als SchichtfĂŒhrer und zuletzt als technischer Angestellter. Bis kurz vor seiner Rente hat er immer in wechselnden Schichten gearbeitet. Morgens ganz frĂŒh aufstehen und am spĂ€ten Nachmittag wieder nach Hause kommen, das mochte mein Vater am liebsten. Dann konnte er noch etwas machen. Wenn mein Vater die ganze Nacht gearbeitet hatte, durften wir nicht im Garten toben und schreien. An den Wochenenden und wann immer es ging, hat mein Vater an unserem Haus gebaut. Wir sind eingezogen, als die WĂ€nde noch roh waren und der Boden noch ohne Teppich und Fliesen. Alles, was man selbst machen konnte, hat mein Vater selbst gemacht. Er arbeitete unglaublich viel und diszipliniert. Abends trank er ein Bier, rauchte eine Pfeife und Ă€rgerte sich regelmĂ€ĂŸig ĂŒber das Fernsehprogramm, bevor er meist frĂŒh zu Bett ging. Ich habe nie herausgefunden, was er gerne geschaut hĂ€tte. Wir haben selten ausfĂŒhrlich miteinander geredet. Eine Zeit lang habe ich mir sogar eingebildet, er hĂ€tte gar kein Inneres, nur einen zĂ€hen und gut trainierten Körper. Mehrmals hat er mir fast beilĂ€ufig und ohne Anlass den Rat gegeben, möglichst spĂ€t eine Familie zu grĂŒnden, aber in jedem ...


Das MĂ€rchen Von Der Grausamen Prinzessin Turandot Feierte In Runkel Premiere

... Lage, wird der Bewerber geköpft. Kaiser Altum stimmt diesem Gesetz zu, da er denkt, dies wirke abschreckend. Doch die Schönheit seiner Tochter lockte die Prinzen in Scharen an, nur keiner kann die RĂ€tsel lösen. Den Kaiser macht dies sehr traurig, doch fĂŒhlt er sich auch dem Gesetz verpflichtet. Er ist voller Gram und zĂŒrnt seiner Tochter und ihrem Starrsinn. Dieses grĂŒblerische Wesen des Kaisers, der sich durch dieses Gesetz selbst in eine moralische ZwickmĂŒhle gebracht hat, verkörpert wunderbar Michael Kremer. Die Stirn in ...

Das MĂ€rchen Von Der Grausamen Prinzessin Turandot Feierte In Runkel Premiere

Fall vorher etwas zu erleben. Denn dann sei das Leben vorbei. Ich habe das nie richtig verstanden damals. Heute weiß ich sehr genau, was er gemeint hat, und kann die ganze Traurigkeit empfinden, die in diesem Satz lag. Meine Mutter war Hausfrau. Mit dem ersten Kind hatte sie ihre Stelle aufgegeben und sich ganz der Familie gewidmet. Wir haben oft darĂŒber gesprochen, dass sie eigentlich gerne ihr Abitur gemacht und studiert hĂ€tte. Aber das war ihrem Bruder vorbehalten. FĂŒr eine Frau musste eine einfache Ausbildung reichen. Sie hat die WĂ€sche gemacht, gekocht, manchmal zweimal am Tag. Sie hat das Haus sauber gehalten und sich um unseren GemĂŒsegarten gekĂŒmmert. Sie war immer da fĂŒr uns Kinder. Meine Mutter war eine gute Hausfrau. Obwohl das Geld meistens knapp war, hat es uns nie an irgendetwas gemangelt. Morgens hat sie uns geweckt, uns Sachen zum Anziehen herausgelegt, uns FrĂŒhstĂŒck und unser Pausenbrot gemacht, dann sind wir mit dem Bus zur Schule gefahren. Wenn wir mittags wieder zurĂŒckkamen, stand schon das Essen auf dem Tisch. Nachmittags hat sie uns bei den Hausaufgaben geholfen. Im Sommer, wenn wir draußen ziemlich wild im Garten gespielt haben, hat sie uns mit SĂ€ften und FrĂŒchten versorgt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei uns irgendwann einmal still war, dass keine anderen Kinder zu Besuch waren. Abends, wenn wir schon im Bett waren, hat meine Mutter sich an ihre Schreibmaschine gesetzt und Examensarbeiten fĂŒr Studenten getippt. Und samstags, wenn mein Vater nicht arbeiten musste, hat sie in einem kleinen Lebensmittelladen in der NĂ€he unseres Hauses ausgeholfen. So gab es immer ein bisschen Extrageld. Bei allem, was wir uns vorgenommen haben, hat unsere Mutter uns immer tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzt, selbst noch, als wir schon das Haus verlassen hatten. FĂŒr sie war es wichtig, dass ihre Kinder studieren konnten. Wir sollten es einmal besser haben. Heute mag dieser Satz vielleicht wie eine Floskel klingen. Aber fĂŒr meine Eltern war er ein Lebensprogramm, anstrengend und voller Verzicht. Und fĂŒr uns war es eine Lebenswirklichkeit. Dahinter stand eine Ă€ußerst erfolgreiche Sozialpolitik. Das ist heute nicht mehr der Fall. ...


Maschinenbedienung Der NĂ€chsten Generation

... Normen: Eckpfeiler kreativer Konzepte Die Maschine mag gut strukturierte Daten liefern, jeder Mensch nimmt jedoch mit anderem Erfahrungs-Background wahr, interpretiert auf Basis seiner Rolle im Produktionsprozess, seiner Qualifikation, Sprache oder kulturellen PrĂ€gung. Und mit den Smartphones Ă€ndern sich per Gesten- und Bewegungssteuerung auch die Bediengewohnheiten. Hinzu kommen je nach Anwendung anders gelagerte Sicherheitsaspekte, die es zu beachten gilt. Außerdem entwickeln Maschinenbauer industrielle Applikationen oft fĂŒr internationale MĂ€rkte, gesetzliche Vorgaben variieren jedoch ...

Maschinenbedienung Der NĂ€chsten Generation

Meine Eltern gehören zu den typischen Aufsteigern in der alten BRD. Obwohl sie ĂŒber kein hohes Einkommen verfĂŒgten, konnten sie etwas Geld zurĂŒcklegen, drei Kinder großziehen und deren Ausbildung finanzieren. Sie konnten ein Haus bauen und einen lang laufenden Kredit abzahlen, ohne die Sorge haben zu mĂŒssen, sich zu ĂŒbernehmen. Dass mein Vater arbeitslos wurde, war unwahrscheinlich. Im Gegenteil, es gab reale LohnzuwĂ€chse, und seine Arbeitsbedingungen verbesserten sich spĂŒrbar. Irgendwann musste er nur noch fĂŒnf Tage pro Woche arbeiten und hatte ein richtiges Wochenende mit seiner Familie. Bis in die 90er Jahre hinein war es einem Industriearbeiter möglich, eine Familie zu ernĂ€hren. Es gab Gewerkschaften, und mein Vater wĂ€hlte die SPD. Wir leisteten uns ein grĂ¶ĂŸeres Auto und fuhren in den langen Sommerferien ans Meer, nach DĂ€nemark. Am Wochenende machten wir tolle AusflĂŒge. Und jeden Herbst besuchten wir unsere Verwandten in der DDR, denen wir reich erschienen, obwohl wir das nicht waren. SpĂ€ter, als wir Kinder schon Ă€lter waren, hat meine Mutter wieder als SekretĂ€rin gearbeitet. Obwohl meine Eltern beide aus sehr einfachen VerhĂ€ltnissen stammten, hatten sie es geschafft. Sie gehörten nun zur Mittelschicht und mussten sich in materieller Hinsicht keine Sorgen machen. Und wir Kinder waren typische Kinder aus Arbeiterfamilien, die aufs Gymnasium gingen. Auch wir hatten es nĂ€mlich geschafft. In der nĂ€chstgelegenen Kleinstadt war eine neue, hochmoderne Schule eröffnet worden, die nicht humanistisch, sondern naturwissenschaftlich orientiert war. Das SPD-Gymnasium. Wenige Jahre bevor mein Vater in Rente ging, verlor er dann doch noch seinen Arbeitsplatz. Der Computer hielt Einzug. Und meinen Vater weiterzubilden, lohnte sich fĂŒr seinen Arbeitgeber nicht mehr. Es gab eine Vereinbarung zwischen dem Betrieb und dem Arbeitsamt, die ihm half, seinen Lebensstandard bis zur Rente zu halten. Unter heutigen UmstĂ€nden wĂ€re er erniedrigt aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, hĂ€tte einen großen Teil seiner RĂŒcklagen verloren und deutliche AbschlĂ€ge bei seiner Rente hinnehmen mĂŒssen. Irgendwann hat mein Vater nicht mehr die SPD gewĂ€hlt ...


Diese 5 Sega-Klassiker Spielt Ihr Kostenlos Auf Dem Smartphone

... Pressemitteilung. Die Retro-Spiele sind dabei alle kostenlos. Zum Start der Kollektion erscheinen der Runner Sonic The Hedgehog , der Klassiker Altered Beast , Comix Zone , das Rollenspiel Phantasy Star 2 und Kid Chameleon . Neue Spiele werden ab dem 22. Juni 2017 alle zwei Wochen ĂŒber Monate bis Jahre hinweg publiziert. Genug Klassiker aus der Arcade-Ära sind auf jeden Fall verfĂŒgbar fĂŒr eine Portierung. Finanziert ĂŒber Werbe-Einblendungen könnt ihr InApp-EinkĂ€ufe tĂ€tigen und die Werbung fĂŒr 2,30 Euro auf iOS-GerĂ€ten ...

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und angefangen, auf die Politiker da oben zu schimpfen, obwohl er zur letzten Arbeitergeneration gehörte, die noch soziale Sicherheit gekannt hat. OhnmĂ€chtige Gewerkschaften Seit den 1990er Jahren hat es keinen sozialen Fortschritt mehr gegeben. Und das hat einen einfachen Grund. Im 19. Jahrhundert hat Otto von Bismarck die erste Unfallversicherung fĂŒr Arbeiter eingefĂŒhrt und damit den Aufbau des modernen Sozialstaats ein- geleitet. Er tat das nicht freiwillig. Die deut- schen Arbeitervereine trugen ihre sozialen Forderungen immer selbstbewusster vor. Der soziale Friede und der politische Machterhalt waren gefĂ€hrdet. Mit der Sozialgesetzgebung sollten aus Arbeitern verlĂ€ssliche BĂŒrger werden, die im Sozialstaat ihre Schutzmacht sahen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde die soziale Sicherheit zu einem wichtigen Staatsziel. Selbst die Nationalsozialisten sind 1933 nur dadurch an die Macht gekommen, dass sie sich die Forderungen der Arbeiterbewegung zu eigen gemacht und ihnen eine nationalistische Wendung gegeben haben. Auch die soziale Marktwirtschaft wurde in dem Bewusstsein erfunden, dass politische StabilitĂ€t ein hohes Gut ist. Dass sich die soziale Lage der Arbeiter stetig verbesserte, war wĂ€hrend dieser Zeit nicht zuletzt dem ökonomischen Wettbewerb zweier Systeme geschuldet. Ende 1991 zerfiel die Sowjetunion. Das verĂ€nderte auch den Westen, der sich als Sieger des Kalten Krieges empfand, dramatisch. 2001 trat China der WTO bei. Die Auslagerung von ArbeitsplĂ€tzen in LĂ€nder mit niedrigeren Löhnen wurde in Gang gesetzt. Dem hatten die Gewerkschaften kaum etwas entgegenzusetzen. Den politischen Druck, aus dem heraus der soziale Fortschritt im 19. Jahrhundert entstanden war, gab es nicht mehr. Seit den 90er Jahren geht es nicht mehr um sozialen Fortschritt, sondern um globalen Wettbewerb. Dieser betrifft ebenso Staaten. Aus der Gesellschaft wurden Standortbedingungen. Die BĂŒrger wurden trainiert, sich als Marktteilnehmer zu verhalten. Jeder soll sich selbst als eine Ich-AG betrachten und nach Gewinnmaximierung streben. Die Risiken, die frĂŒher der Sozialstaat abgeschirmt hatte, wurden privatisiert. Die Altersvorsorge soll in Eigen ...


Die 10 Cleversten Abnehm-Tricks

... wie praktisch! Die kleine Eiweißbombe pusht die Bikini-Figur: Eine Studie des „American Journal of Clinical Nutrition ergab, dass DiĂ€t-Probanden, die jeden Tag ein Ei aßen, mehr Fettmasse verloren. 3. Lebensmittel-Check  Switche dich in shape mit diesem Kalorien-Tausch: Dinkelmehl statt Weizenmehl, Olivenöl statt Butter, HĂŒttenkĂ€se statt FrischlĂ€se. Du stehst auf strengen KĂ€se? Harzer KĂ€se hat kaum Fett. 4. Zur Traumfigur in Heimarbeit Lena Gercke, 29, achtet auf Clean Eating. Alles, was natĂŒrlich ist und nicht chemisch bearbeitet wurde, ist ...

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verantwortung geleistet werden. Gegen BerufsunfĂ€higkeit soll sich jeder selbst versichern. Was frĂŒher einmal soziale Sicherheit war, ist auf ein lebensnotwendiges Minimum reduziert worden. Weil der Staat plötzlich selbst als dem Markt ausgeliefert erschien, mussten alle sozialen Systeme auf den PrĂŒfstand. Wer arbeitslos wird, hat nur noch wenig Zeit, um sich wieder fit zu machen. Ansonsten droht der Abstieg. In den 1990er Jahren zog ein Heer von Beratern durch das Land und formulierte neue Erziehungsziele, die jeden auf seine Rolle als Humankapital verpflichten sollen. Aus der Sicht des Neoliberalismus gibt es bloß Individuen, die im Hinblick auf Gewinnmaximierung entweder Gewinner oder Verlierer sind. Ein entscheidender Effekt dieser Umerziehung besteht darin, dass sich die Angst vor dem Abstieg oft in eine Abwehr gegen die verwandelt, die bereits abgestiegen sind oder niemals eine Chance hatten. Wer unten ist, der hat vermutlich etwas falsch gemacht. UnverstĂ€ndliche Welt Die soziale Frage, die in der alten BRD lĂ€ngst gelöst schien, stellt sich nicht mehr. Aus der Arbeiterklasse sind prekĂ€r BeschĂ€ftigte geworden, die vereinzelt zu kĂ€mpfen haben. Das Selbstbewusstsein der organisierten Arbeiterschaft gibt es nicht mehr. Mit der weitgehenden Entmachtung der Gewerkschaften ist auch die FĂ€higkeit nachhaltig beeintrĂ€chtigt worden, die sozialen BedĂŒrfnisse und politischen Forderungen ĂŒberhaupt als solche zu artikulieren. Wer sich ohnmĂ€chtig fĂŒhlt und isoliert ist, der verstummt. Die soziale Linke wurde durch eine kulturelle Linke verdrĂ€ngt. WĂ€hrend sich soziale Politik bis dahin ĂŒber die NĂ€he zu den Gewerkschaften definiert hatte, standen jetzt kulturelle und sexuelle Vielfalt im Zentrum. Im Programm des Multikulturalismus spiegelte sich die neue globale Erfahrung wider. Die Zielgruppe der Politik bilden nicht mehr die Benachteiligten, sondern die Mittelschichten, denen die Globalisierung neue SpielrĂ€ume eröffnet hat. Die Nation, die im 19. Jahrhundert erstmals die demokratische Gleichheit aller BĂŒrger verkörpert hatte, wurde etwas fĂŒr Verlierer. LĂ€ngst hat sich eine globale Mittelschicht herausgebildet, fĂŒr die ein progressiv ...


Wie Erfolgreich Sind Blitz-DiÀten Zum Abnehmen?

... wie ein halbes Croissant (30 g), nĂ€mlich 150 kcal. Schnelles Abnehmen erzeugt oft den sogenannten JoJo-Effekt. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com) Abnehmen kann nur derjenige, der weniger Kalorien zufĂŒhrt als der Körper verbraucht. Um das Körpergewicht zu halten, mĂŒssen die Energiezufuhr und der Energieverbrauch ausgeglichen sein. Bei vielen DiĂ€ten liegt die Energiezufuhr unter 1 000 kcal pro Tag. Diese kalorisch knappe Kost fĂŒhrt zwar dazu, dass man in kĂŒrzester Zeit relativ viel Gewicht verlier ...


er Lebensstil wichtiger ist als die Zugehörigkeit zu einer Nation. FĂŒr die einen ist Globalisierung unkompliziertes Reisen, fĂŒr die anderen der Verlust des Arbeitsplatzes. Die einen denken bei multikultureller Gesellschaft an eine internationale Schule, die anderen an ethnische Konflikte. Die Lebenswirklichkeiten gehen mehr und mehr auseinander. Meine Eltern bewohnen noch immer das Familienhaus auf dem Land, in dem nun viele Zimmer leer stehen und in das keiner von uns wieder einziehen wird. Die politische Geschichte des Aufstiegs, die ihre Lebensgeschichte war, wird sich nicht wiederholen. Im Laufe seines Lebens ist mein Vater immer stummer geworden. Ihm wurde die Welt zunehmend unverstĂ€ndlicher. Die VerĂ€nderungen in seinem Arbeitsumfeld missfielen ihm. Wenn er von der Arbeit zurĂŒckkam, beklagte er sich hĂ€ufig ĂŒber das Verhalten der Gastarbeiter, die schon damals keine mehr waren. Sie hĂ€tten keinen Respekt und wĂŒrden die Toiletten verschmutzen. Er konnte nicht verstehen, warum man das zuließ. Ich sagte ihm, er sei auslĂ€nderfeindlich. Manchmal schrien wir uns an. Mein Vater war Mitglied der Gewerkschaft. Aber die Forderungen der Gewerkschaft gingen ihm mittlerweile zu weit. Ich erklĂ€rte ihm, dass sie doch in seinem Namen fĂŒr seine Rechte kĂ€mpfen wĂŒrden. Er schĂŒttelte nur den Kopf. Irgendwann in seinem Leben wurde alles nur noch schlechter fĂŒr ihn. Der Staat wĂŒrde nur noch Schulden machen, und keiner wolle mehr arbeiten. Das könne nicht lange gut gehen. Er fand die Welt zu raffgierig und die Menschen zu unbescheiden. Mein Vater war es gewohnt, sehr sparsam zu sein und sein Geld nur fĂŒr sinnvolle Dinge auszugeben. Er verachtete den Konsum und die neue Welt der Einkaufspassagen. Er hasste es, wenn man GerĂ€te nicht reparieren konnte und gezwungen war, sich neue anzuschaffen. Er fand uns zu materialistisch. Etwas Neues zum Anziehen kaufte er sich nur sehr widerwillig. Einmal hat er mich in der Zeit meines Studiums besucht. Das Erste, was ihm auffiel, waren die vielen AuslĂ€nder, die in meinem Viertel lebten. Seine lauten Kommentare waren mir oft unangenehm. HĂ€ufig hat er die immer gleichen SĂ€tze wiederholt, die umso kĂŒrzer wurden ...


Schweizer Anti-Terror Maßnahmen

... botenen Koran-Verteilaktion „Lies! am 31.01.2015 in Frankfurt. Nicht nur Frankreich, Belgien, Großbritannien oder Deutschland haben ein Sicherheitsproblem im eigenen Land mit zum Terror bereiten Dschihadisten. Auch die bisher von AnschlĂ€gen verschonte Schweiz muss wachsam sein. Das Schweizer Bundesamt fĂŒr Polizei fedpol hat eine erschreckende Zahl vorgelegt: 88 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz sind seit 2001 nach Syrien oder den Irak gereist und haben sich dort der Terrororganisation „Islamischer Staat angeschlossen. In den vergangenen drei Jahren ist ...

Schweizer Anti-Terror Maßnahmen

, je Ă€lter er wurde. Sich mit ihm zu unterhalten, war kaum mehr möglich. Bis ich es aufgegeben habe. Vermutlich habe ich mir nie wirklich die MĂŒhe gemacht, seine Welt zu verstehen. Ich habe sie einfach abgelehnt. Vielleicht wĂ€re er nicht verstummt, wenn ihm jemand tatsĂ€chlich zugehört hĂ€tte. Ich habe mir eingeredet, dass ich vollkommen anders bin. Wir hatten kein gutes VerhĂ€ltnis. Heute ist mein Vater schwer krank. Jedes Mal, wenn er ins Krankenhaus soll, muss man ihn dazu ĂŒberreden. Er will unbedingt zu Hause sterben. Das Haus, an dem er sein Leben lang gebaut hat, macht einen großen Teil seiner WĂŒrde aus. Es schmerzt ihn sehr, dass er immer weniger in der Lage ist, es aus eigener Kraft instand zu halten. Als mein Vater in Rente ging, war er froh, nicht mehr arbeiten zu mĂŒssen. Seine Arbeit war keine Selbstverwirklichung, sie war körperlich sehr anstrengend. Viel lĂ€nger hĂ€tte er auch nicht mehr durchhalten können. Ein eigenes Haus zu besitzen, machte ihn immer unglaublich stolz. Es war die sichtbare BestĂ€tigung dafĂŒr, dass es sich gelohnt hatte, ĂŒber so viele Jahre diszipliniert zu sein. HĂ€tte er seinen gesamten Lohn fĂŒr sich und seine Familie aufzehren mĂŒssen, wĂ€re nichts von seinem Berufsleben ĂŒbrig geblieben. Heute haben sich die Bedingungen in dieser Hinsicht stark verschlechtert. Vielen ist es nicht möglich, sich etwas aufzubauen, das nur ihnen gehört. Sie können nichts zurĂŒcklegen. FĂŒr ihre Versorgung im Alter werden sie auf staatliche UnterstĂŒtzung angewiesen sein. Aus dem Arbeitsleben der unteren Lohngruppen ist die WĂŒrde lĂ€ngst verschwunden. Das Eigentum, das frĂŒher fĂŒr viele erreichbar war, ist zum Eigentum weniger geworden. Wichtiger als Sozialleistungen sind die Bedingungen, unter denen Eigentum entsteht und erhalten werden kann. Wenn nichts mehr ĂŒbrig bleibt vom Lohn, dann sind wir wieder im 19. Jahrhundert. Leander Scholz ist Schriftsteller und Philosoph. Eine lĂ€ngere Version dieses Textes erscheint Ende Juni unter dem Titel Eigentum fĂŒr alle im Band Wenn ich mir etwas wĂŒnschen dĂŒrfte: Intellektuelle zur Bundestagswahl 2017 im Steidl Verlag Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 25/17 . Kommentare (41) ...