Alternsforscher Hans-Werner Wahl √Ąltere Menschen Sind So Fit Wie Noch Nie



Alternsforscher Hans-Werner Wahl √Ąltere Menschen Sind So Fit Wie Noch Nie

¬Ą√Ąltere Menschen sind so fit wie noch nie¬ď Alternsforscher Hans-Werner Wahl ¬Ą√Ąltere Menschen sind so fit wie noch nie¬ď Alternsforscher Hans-Werner Wahl √ľber die Chancen des Lebens jenseits der 65, falsche Klischees, die Notwendigkeit des Umdenkens und die allerletzten Jahre vor dem Tod. Vor 7 Stunden F√ľr manche Menschen kann es auch mit √ľber 80 noch sinnvoll sein zu arbeiten, glaubt der Wissenschaftler. Foto: istock Alter ‚Äď das verbinden die meisten mit Verlust von Gesundheit, Leistung und Attraktivit√§t, mit Gebrechlichkeit und dem bedrohlich n√§herkommenden Ende. √úber einen Menschen zu sagen, er oder sie sei ‚Äěalt klingt nicht nett, sondern oft abf√§llig. Das vorherrschende Bild vom Alter sei falsch und viel zu stark von negativen Klischees gepr√§gt, sagt dagegen Hans-Werner Wahl, Alternsforscher an der Universit√§t Heidelberg. In seinem neuen Buch ‚ÄěDie Psychologie des Alterns stellt er ‚Äě√ľberraschende Erkenntnisse √ľber unsere l√§ngste Lebensphase ‚Äď so der Untertitel ‚Äď vor. Im Gespr√§ch mit der Frankfurter Rundschau erz√§hlt der Psychologie, was das Leben jenseits der Rente an Chancen bereith√§lt, was sich am Umgang mit dem Alter √§ndern sollte und wie die zunehmende Lebenserwartung unsere Gesellschaft ver√§ndern wird. Die meisten Menschen f√ľrchten sich vor dem Altwerden. Sie jedoch schreiben, das Alter sei ein ‚Äěeigener Entwicklungsplan mit neuen M√∂glichkeiten und Chancen geworden . Sind Sorgen also unbegr√ľndet? Sie sind nicht unbegr√ľndet, aber doch stark gepr√§gt von einem immer noch zu negativen Altersbild, das viele Menschen erwarten l√§sst: ‚ÄěDa kommt etwas ganz Schreckliches auf mich zu. Auf der anderen Seite darf man auch nicht sagen, dass Alter nur etwas Sch√∂nes ist. Es geht um eine gute Balance in dieser langen Lebensphase, darum, auszutarieren, was noch m√∂glich ist und wo uns Grenzen gegen√ľberstehen. Im Mittel sind die √§lteren Menschen in den Industrienationen in ihrer k√∂rperlichen und geistigen Leistungsf√§higkeit so gut aufgestellt wie noch nie. Allerdings reden wir hier vom jungen Alter. Das ist eine Phase, in der wir viel Zeit und noch alle Ressourcen haben, neue Interessen zu entwickeln oder alte wiederzubeleben. Und indem wir das tun, trainieren wir gleichzeitig den √§lter werdenden Geist und K√∂rper. Manche Menschen engagieren sich auch sozial, andere verlieben sich noch einmal neu. ...


Operationen In Hessen R√ľckenprobleme

... merzen besonders h√§ufig operiert. Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild) Wer in Hessen an R√ľckenschmerzen leidet, wird √ľberdurchschnittlich h√§ufig operiert. Das zeigt eine am Montag ver√∂ffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und eigenen Berechnungen beruht. Die Stiftung hat die H√§ufigkeit der Eingriffe und die Zahl der der Krankenhausaufenthalte in den verschiedenen Bundesl√§ndern verglichen. Dabei liegt Hessen in vielen Kategorien weit vorn. Bundesweit wurden Daten ...

Operationen In Hessen R√ľckenprobleme

Sie sprechen vom jungen Alter. Welche Jahre meinen Sie damit? √úberhaupt teilen Sie ja das Alter in verschiedene Phasen ein. Das junge Alter, manchmal auch drittes Alter genannt. Es beginnt in der Zeit des √úbergangs in den Ruhestand und umfasst eine lange Zeitspanne von 15 bis 20 Jahren. Da haben wir statistisch gesehen noch viele Jahre vor uns ‚Äď und alle M√∂glichkeiten, ohne dass wir uns als alte, verletzliche, nicht mehr leistungsf√§hige Menschen sehen m√ľssten. Danach folgt noch einmal eine heute mehrere Jahre dauernde Phase, als viertes Alter bezeichnet, in der sehr h√§ufig mehrere Erkrankungen etwa des Herz-Kreislauf-Systems und des Bewegungsapparates und vielleicht auch kognitive Einschr√§nkungen zusammenkommen. Das ist so ab 80, 85 Jahren der Fall. In dieser Phase wird das Alter deutlich h√§rter. Das f√ľnfte Alter schlie√ülich w√§ren die letzten Jahre, die schon mehr vom Tod gepr√§gt sind. Diese letzten beiden Phasen scheinen sich aber immer weiter nach hinten zu verschieben. Als ich vor Jahrzehnten mit der Alternsforschung anfing, galten Menschen von 75 plus als Hochaltrige, heute w√§re das l√§cherlich. Dann m√ľsste es doch eigentlich auch obsolet sein, einen 65-J√§hrigen als √§lteren Menschen zu bezeichnen, wie es oft getan wird. Ich w√ľrde sagen, das ist obsolet. 80 Prozent der 60 bis 80-J√§hrigen sind in ihren k√∂rperlichen Parametern dem mittleren Alter sehr √§hnlich. Viele verstehen sich auch nicht als alte Menschen. In den meisten Berufen sind Leistungsverluste ab 65 Jahren kein Argument, um aufzuh√∂ren. Hans-Werner Wahl Wenn heute 65-J√§hrige nicht alt und meistens noch fit sind, w√§re es dann nicht die logische Konsequenz, dass das Renteneintrittsalter nach hinten verschoben werden m√ľsste? Es gibt sicherlich Berufsfelder, die extreme k√∂rperliche Arbeit erfordern oder eine besondere motorische-kognitive Koordination ‚Äď da kann es jenseits von 65 Jahren schon schwierig werden. Aber in den meisten Berufen sind Leistungsverluste ab 65 Jahren kein Argument, um aufzuh√∂ren. Vielleicht sollten wir √ľberhaupt keine Grenzen festlegen. Wir Alternsforscher m√∂gen diese Fixierung auf das chronologische Alter ohnehin nicht, weil wir finden, dass es nicht aussagekr√§ftig ist. 20 bis 30 Prozent der 65- bis 70-J√§hrigen etwa sind in ihren geistigen Leistungen immer noch so gut, wie sie mit 40 waren. Am Alter kann man gar nichts ...


Bezirksregierung Sammelt Ideen F√ľr Etwas Reinere Luft In Leverkusen

... Leverkusen - Das Thema Luftqualit√§t besch√§ftigt die Menschen in Leverkusen eigentlich schon seit Generationen. Wehten fr√ľher √∂fters √ľble D√ľnste aus dem Bayerwerk in die Stadt, gibt es heute eine sehr viel subtilere Art der Luftverschmutzung, der man kaum entkommen kann: die Stickoxide und der Feinstaub. Als Folge stellte Lungenfacharzt Norbert M√ľlleneisen f√ľr Leverkusen vermehrt F√§lle von Lungenkrankheiten fest. Nur die manchmal s√§uerlich riechenden Stickoxide aus den Autos und Heizungen sind aber f√ľr die Beh√∂rden relevant, denn deren Konzentration liegt in Leverkusen regelm√§√üig ...

Bezirksregierung Sammelt Ideen F√ľr Etwas Reinere Luft In Leverkusen

festmachen. Es kann bei manchen Menschen auch mit √ľber 80 noch m√∂glich oder sinnvoll sein, einen Job auszu√ľben. Ein anderer Punkt ist es nat√ľrlich, dass viele nach langen Jahren der Berufst√§tigkeit ihre Freizeitbed√ľrfnisse ausleben m√∂chten. Deshalb sollte man nichts erzwingen. Ich glaube, wir brauchen gerade in der sp√§ten Phase des Arbeitslebens eine gro√üe Flexibilisierung. Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass das dazu f√ľhren wird, dass viele Menschen l√§nger arbeiten. Best√ľnde in diesem Fall nicht die Gefahr, dass die √Ąlteren J√ľngeren Arbeitspl√§tze wegnehmen? Das wird immer wieder behauptet. Alle mir bekannten Studien widerlegen dieses Argument. Es herrscht doch bei vielen Unternehmen eher die Denke vor, man k√∂nne stolz sein, wenn man niemand √ľber 50 besch√§ftigt. √Ąltere haben mehr Wissen und Erfahrung, kennen einen Betrieb sehr gut. Sie k√∂nnen besser mit negativen Emotionen umgehen und soziale Konflikte bew√§ltigen, vor allem in Zeiten flacher Hierarchien ist das eine unglaubliche Ressource. Was k√∂nnen √§ltere Arbeitnehmer besser als j√ľngere? Die reine Arbeitsleistung geht nur mit dem Alter nicht zur√ľck. Etwaige Schw√§chen im Umgang mit neuen Technologien lie√üen sich durch gute Fortbildungsangebote leicht wettmachen. √Ąltere Facharbeiter oder Angestellte sind jene, die sich am st√§rksten mit einem Unternehmen identifizieren, f√ľr J√ľngere stellt es oft nur ein Durchlaufstadium ihrer Karriere dar. √Ąltere haben mehr Wissen und Erfahrung, kennen einen Betrieb sehr gut. Sie k√∂nnen besser mit negativen Emotionen umgehen und soziale Konflikte bew√§ltigen, vor allem in Zeiten flacher Hierarchien ist das eine unglaubliche Ressource. J√ľngere sind daf√ľr fitter in den neuen Techniken. Beide Generationen k√∂nnen sich gut erg√§nzen. In diese Richtung muss es in Zukunft gehen. Haben Sie den Eindruck, dass diese Sicht in Unternehmen und in der Politik schon angekommen ist? Den demographischen Wandel als Chance zu sehen ‚Äď da tut sich derzeit leider meiner Ansicht nach auf zu niedrigem Niveau etwas. Aber der Markt wird es regeln. In den Unternehmen wird es in Zukunft Nachwuchsprobleme geben, die nur teilweise durch Migration auszugleichen sind. Auch in der Politik scheint das Thema mit all seinen Facetten noch nicht richtig angekommen zu sein. Das Alter ist unsere l√§ngste Lebensphase geworden ‚Äď und ist gleichzeitig ...


150 Jahre Berufschule Erding Weltrekord Im Unterrichtsmarathon

... sstunden am St√ľck sein. (Foto: Renate Schmidt) An der Herbert-Weinberger-Schule werden 150 Stunden am St√ľck absolviert. Einen Eintrag ins Guinness-Buch wird es aber nicht geben. Von David Holz, Erding Kaffeetassen und Energy Drinks stehen zwischen Taschenrechnern und Ordnern auf den Tischen. M√ľde und gegen den Schlaf k√§mpfende Sch√ľler versuchen die optimale Bestellmenge f√ľr fiktive Produkte auszurechnen. Diese und √§hnliche Szenen spielen sich diese Tage in der Berufsschule in Erding ab. Die Beruf ...

150 Jahre Berufschule Erding Weltrekord Im Unterrichtsmarathon

noch am undefiniertesten. Unsere Gesellschaft kann es sich auf Dauer nicht leisten, sich so wenig damit zu besch√§ftigen. Bislang ist es in unserer Gesellschaft aber immer noch so, dass Alter eher negativ besetzt ist, es wird mit Verfall und Krankheit assoziiert. Ja, da stehen wir vor einer Herkulesaufgabe. Wir m√ľssen auf allen Ebenen ‚Äď Politik, Unternehmen, Medien ‚Äď zu einem differenzierten Bild des Alters kommen. √úber Jahrhunderte hinweg wurde tradiert, dass Alter etwas Ungutes bedeutet. In allen westlichen Industrienationen gibt es diesen gro√üen Widerspruch: Wir haben eine neue, lang lebende, aktive, relativ gesunde und wache Generation von √§lteren Menschen ‚Äď und gleichzeitig werden sie sehr stark in die negative Altersstereotyp-Ecke gedr√§ngt. Oder sie werden √ľberstilisiert im Sinn von ‚Äěquietschfidele Senioren auf den Malediven , was aber das negative Altersklischee auf andere Weise verst√§rkt. Es sollte sich allm√§hlich durchsetzen, dass das Alter untersch√§tzt wird. Die meisten √§lteren Menschen sind auch zufrieden und nicht h√§ufiger depressiv als andere Altersgruppen. Leider ist unsere Gesellschaft aus tief verwurzelten kulturhistorischen Gr√ľnden extrem gepolt, Jugendlichkeit als das eigentlich positive, entfaltungsreiche Element in unseren Leben anzusehen. Das gilt f√ľr Aussehen, K√∂rperlichkeit und auch f√ľr geistige Dimensionen. Sie pr√§gen in Ihrem Buch den Begriff des ‚Äěerfolgreichen Alterns und schreiben, wir seien unsere Alters ‚ÄěSchmied . Bauen Sie damit nicht Druck auf in dem Sinne, dass man selbst schuld ist, wenn es einem im Alter nicht gut geht? Der Begriff ‚Äěsuccessful aging ist in der internationalen Literatur gesetzt, aber ich sehe auch Nachteile. Wenn ich ihn benutze, dann ist er definitiv nicht mit Leistung assoziiert. Sondern eher in dem Sinne: Ich kann meine Gesundheit bis zu gewissem Grad selbst mit gestalten, indem ich k√∂rperlich aktiv bin. Wenn ich geistig rege bin und Wert auf soziale Beziehungen lege, ist die Wahrscheinlichkeit kognitiver Einbu√üen geringer. Menschen k√∂nnen an vielen Schrauben drehen. Wer das erkennt, steht sp√§ter besser da. Aber nat√ľrlich kann das jeder selbst entscheiden. Es auch ok, wenn jemand sagt, das ist mir absolut wurscht. Zur Person Hans-Werner Wahl, Professor f√ľr Psychologische Alternsforschung an der Universit√§t Heidelberg. Sie betonen auch den ...


Stellenwert der Bildung als Schutz vor Demenz. Da f√§llt mir der Schriftsteller und Philologe Walter Jens als Gegenbeispiel ein, der vor seinem Tod schwer an Demenz erkrankt war. Kann man diese Rechnung wirklich so einfach aufmachen? Wenn wir 1000 √§ltere Menschen nehmen, w√ľrden wir in dieser Gruppe vier bis f√ľnf F√§lle finden, die √§hnlich sind wie der von Walter Jens. Solche Verl√§ufe k√∂nnen genetisch begr√ľndet sein, aber auch mit Krankheiten zusammenh√§ngen. Wir w√ľrden in den angenommenen 1000 √§lteren Menschen aber locker um die 800 finden, bei denen das die Annahme einer Schutzwirkung von Bildung in Bezug auf kognitiven Abbau zutrifft. Sie waren besser gebildet, hatten einen Job, der sie angeregt hat, haben viel gelesen, waren interessiert. Eine fr√ľhe Bildung erzeugt eine kognitive Reserve, die widerstandsf√§higer gegen altersbezogene Ver√§nderungen macht. Und welche Rolle spielt Wohlstand? Wie erlebt jemand, der von Altersarmut betroffen ist, diese Jahre? Finanzielle Reserven haben durchaus etwas mit erfolgreichem Altern zu tun. Dieses bleibt jenen verwehrt, die sich auch die kleinsten Annehmlichkeiten des Lebens oder die optimale Versorgung mit Hilfsmitteln nicht leisten k√∂nnen, die etwa auf die besten H√∂rger√§te verzichten m√ľssen, weil sie von den Kassen nicht komplett bezahlt werden. Das trifft vor allem auf Frauen zu, die h√§ufiger als M√§nner gebrochene Lebensl√§ufe haben und zudem √§lter werden. Aber es sind heute auch schon die ersten Langzeitfolgen der Emanzipation zu erkennen: Fr√ľhere Generationen waren st√§rker von ihren M√§nnern abh√§ngig. Oft hatten sie auch keinen F√ľhrerschein, heute fahren viele √§ltere Frauen Auto. Dass viele, teils sogar sehr alte Menschen noch mit dem Auto unterwegs sind, ist aber immer wieder auch Gegenstand in den Medien und der Politik. So kommt regelm√§√üig die Forderung auf, dass Autofahrer sich ab einem gewissen Alter Gesundheitstests unterziehen sollten. Was halten Sie davon? F√ľr viele √§ltere Menschen ist das Auto ein wichtiges Versorgungsmittel, es bedeutet, dass sie sich grundlegende Dinge noch selbst besorgen k√∂nnen. Daneben ist es auch psychisch bedeutsam als Ausdruck von Kompetenz: Ich bin zwar alt, aber funktioniere noch. Viele √§ltere Menschen passen ihre Fahrwege ihren F√§higkeiten an, sind nur noch auf Wegen unterwegs, die ihnen vertraut sind und die sie bew√§l ...


tigen k√∂nnen. Gleichzeitig f√§nde ich es trotzdem gut, wenn √§ltere Menschen ab plus minus 75 Jahren ihre F√§higkeiten testen lassen w√ľrden ‚Äď allerdings sollte man das nur als starke Empfehlung verstehen, nicht gesetzlich vorschreiben. Im Mittelpunkt sollte aber nicht in erster Linie die Verlustdiagnostik stehen, es soll vielmehr gepr√ľft werden, wo noch St√§rken sind. Und der Test sollte auch nicht mit dem drohenden Verlust des F√ľhrerscheins in Verbindung gebracht werden, sondern eher mit guten Trainingsprogrammen, um die Fahrleistung zu verbessern. Und es sollte jedem selbst √ľberlassen werden, wie er mit der R√ľckmeldung des Tests umgeht. Das kann unter Umst√§nden auch hei√üen, dass man sich entscheidet, den F√ľhrerschein lieber abzugeben. In der √Ėffentlichkeit kommt das Thema eher in einem anderen Tonfall daher. Da liest man dann die Schlagzeile, dass ein 85-J√§hriger Bremse und Gas verwechselt hat und in ein Schaufenster gefahren ist. Das Thema wird in unserer Gesellschaft, wo wir doch eigentlich alle f√ľr uns in Anspruch nehmen, nicht Klischees freien Lauf zu lassen, unglaublich stark von primitiven Denkfiguren gepr√§gt. Nat√ľrlich f√§hrt auch mal ein junger Mann in einen Friseursalon. Bei solchen Schlagzeilen geht es nur darum, Altersvorurteile zu untermauern. Wie wichtig es f√ľr die Zufriedenheit und den Erhalt der Selbstst√§ndigkeit, in der eigenen Wohnung zu bleiben? F√ľr viele Menschen ist das der gr√∂√üte Wunsch. Die eigene Wohnung, in der sie oft ja schon Jahrzehnte leben, ist emotional √ľberaus bedeutsam im Sinne von: Hier geh√∂re ich hin, wenn ich mich verpflanze, verliere ich meine Verankerung im Leben. Auch stellt sie eines der st√§rksten Merkmale von Selbstst√§ndigkeit und Normalit√§t dar. Die Wohnung ist f√ľr die meisten der Ort, wo sie letztlich auch sterben wollen. Die Realit√§t sieht allerdings anders aus. Viele Menschen m√ľssen sich doch noch einmal auf eine neue Umgebung einstellen, weil wir heute so alt werden. Das muss nicht immer ein Heim sein, es gibt heute schon viele neue Wohnformen f√ľr √§ltere Menschen. Viel Potenzial steckt auch in der Idee, die eigene Wohnung smarter zu machen, indem man zum Beispiel Sensoren einbauen l√§sst, die einen Sturz erkennen oder die anzeigen, wenn der K√ľhlschrank leer wird und man wieder einkaufen muss. Sie beschreiben ja auch, dass in Zukunft Technik und insbeso ...


ndere die Robotik eine immer gr√∂√üere Rolle im Alltag √§lterer Menschen spielen weiden. Was genau stellen Sie sich dabei vor? Das sind Ressourcen, die f√ľr gutes Altern immer wichtiger werden. Vor allem die Generation der √Ąlteren von morgen und √ľbermorgen wird schon so sozialisiert sein, dass sie vertraut ist mit neuen Technologien. Bereits heute nutzen viele √§ltere Menschen das Internet. Da sehe ich viele Chancen der Bildung, des Sich-Vernetzens, es wird neue Formen der sozialen Partizipation geben. Die andere Schiene sind Systeme wie Sensoren, die √§lteren Menschen mit kognitiven Verlusten bei der Orientierung helfen, smarte Rollatoren oder Roboter, die einen alten Menschen begleiten und verhindern sollen, dass man st√ľrzt. Auf diesem Wege kann man Autonomie erhalten, auch bei Menschen, die sehr krank oder in ihren Kompetenzen sehr beeintr√§chtigt sind. In H√§usern und Wohnungen wird es in Zukunft viele technische Unterst√ľtzungen geben, und sie werden auch immer billiger werden. Bedacht werden muss allerdings, was mit den vielen Daten geschieht. Das wird eine gro√üe Herausforderung. Aber insgesamt sehe ich darin eher eine enorme Chance. Wir erkaufen uns den sehr gro√üen Erfolg eines langen Lebens auch mit einer Schattenseite, denn indem wir immer √§lter werden, reizen wir die M√∂glichkeiten des psycho-bio-sozialen Systems Mensch immer mehr aus und kommen dadurch irgendwann auch in eine sehr fragile Phase, die von der Evolution so nicht vorgesehen war. Lassen Sie uns noch einmal √ľber die allerletzte Lebensphase sprechen. Einer Studie zufolge sind die heute 75-J√§hrigen zwar so fit wie noch vor wenigen Jahrzehnten die 60-J√§hrigen. Zwischen 80 und 85 soll dann aber ein Bruch kommen und danach eine rasante Verschlechterung einsetzen. Wie l√§sst es sich erkl√§ren, dass es nach so vielen guten Jahren dann so pl√∂tzlich abw√§rts geht? Das ist eine Paradoxie: Wir erkaufen uns den sehr gro√üen Erfolg eines langen Lebens auch mit einer Schattenseite, denn indem wir immer √§lter werden, reizen wir die M√∂glichkeiten des psycho-bio-sozialen Systems Mensch immer mehr aus und kommen dadurch irgendwann auch in eine sehr fragile Phase, die von der Evolution so nicht vorgesehen war. Leider ist es nur in Einzelf√§llen m√∂glich, das Leben so zu stabil zu gestalten, dass es bis zum Tod im hohen Alter ohne bedeutsame Verluste gelebt werden ...


kann. In der Alternsforschung gibt es die sehr positiv get√∂nte Theorie, dass vor allem durch Vorsorgeverhalten Krankheiten wie von einer Planierraupe immer mehr ans Lebensende gedr√§ngt werden. Am Ende k√§me dann eine kurze Phase extremer Krankheit. Das d√ľrfte bislang nur bedingt zutreffen. Denn es verh√§lt sich zum Beispiel durchaus so, dass heute auch viele Menschen mit bestimmten Anf√§lligkeiten, etwa chronischen Erkrankungen, ein hohes Alter erreichen, die fr√ľher schon l√§ngst gestorben w√§ren. Sp√§t im Leben massieren sich dann s√§mtliche Risiken. In den letzten vier bis f√ľnf Jahren vor dem Tod kommt es statistisch gesehen gewisserma√üen zu einem ‚ÄěPoint of no return , wo bei den meisten Menschen ein massiver Abfall stattfindet, der auch mit emotionalen Ver√§nderungen verbunden ist. Diese letzte, sehr verletzliche Phase gut zu gestalten, darin ist unsere Gesellschaft bislang noch nicht sehr gut aufgestellt. Es wird eine gro√üe Aufgabe sein, eine neue Sterbekultur zu entwickeln. Sie sprechen von einem ‚ÄěPoint of no return , einem ‚ÄěPunkt ohne Wiederkehr . Was ist darunter zu verstehen? In diesem Zeitintervall werden bei vielen Menschen verschiedene Funktionen und auch das Wohlbefinden in beschleunigtem Tempo instabiler. Aber es gibt auch einige wenige, die bis zum Tod gut leben, bei denen einfach irgendwann die Uhr stehen bleibt. Im Allgemeinen aber tritt der Tod nicht ab einem bestimmten Punkt ein, er ist ein Prozess. Die dahinter stehende ‚Äě Distanz-vom-Tod-Forschung k√∂nnte man so auf den Punkt bringen: Unsere Sterben beginnt bereits einige Jahre vor dem eigentlichen Tod. Gilt das, was Sie schildern, eigentlich nur f√ľr Menschen, die sehr alt werden, oder auch f√ľr jemand, der mit 70 Jahren an Krebs stirbt? Wir sehen diese Dynamik vor allem im hohen Alter, im Einzelfall kann sie aber auch bereits zwischen 66 und 70 ablaufen, wenn jemand fr√ľh schwer krank wird. Sie machen in Ihrem Buch viel an den verschiedenen Phasen fest. Nach j√ľngeren Erkenntnissen sollen Menschen aber doch sehr unterschiedlich altern. Das ist ein bedeutsamer Aspekt. Aber die Wissenschaft versucht immer, Haupttendenzen zu beschreiben, und das tue ich in meinem Buch. Auf die gro√üe Heterogenit√§t des √Ąlterwerdens w√§re noch einmal ein neuer Scheinwerfer zu richten. Viele Daten zeigen in der Tat, dass √§ltere Menschen so unterschiedlich sind wie keine andere Altersgruppe. Interview: Pamela D√∂rh√∂fer ...